Warum Schönheit, Wahrheit und das wahre Selbst untrennbar miteinander verbunden sind

Das „wahre Selbst“, was ist das eigentlich?

Ehrlich gesagt, so ganz genau weiß ich das auch noch nicht. Aber ich stelle mir vor, dass das wahre Selbst immer auch wunderschön ist.

Zunächst ist das „wahre Selbst“ ein Begriff, dessen Bedeutung schwer zu fassen ist. Sich ihm zu nähern, ist vermutlich ein lebenslanger Prozess. Sicher ist für mich: Das „wahre Selbst“ beschreibt etwas, das mich wohl ausmacht und doch zugleich viel größer ist als ich.

Zwar kann ich mein „wahres Selbst“ immer besser fühlen, aber um es mit Worten erklären zu können, müsste ich weit ausholen, viele Modelle und fremde Quellen bemühen, um am Ende vielleicht doch nicht genau zu treffen, was damit gemeint ist. Mag sein, dass ich das an anderer Stelle einmal versuche.

Hier will ich vor allem dazu anregen, Dir eigene Gedanken dazu zu machen und Deinen Assoziationen freien Lauf zu lassen – einfach um Dich aus deinem üblichen Denken herauszulocken, Deine bisherige Vorstellung über das „wahre Selbst“ durch etwas Fantasie anzureichern und vielleicht auch ein bisschen zu erschüttern. Es ist immer gut, eingefahrene Denkgewohnheiten zu verlassen. Denn eigentlich könnte alles auch ganz anders sein!

Zu meiner eigenen Vorstellung über das „wahre Selbst“ will ich nur so viel sagen: Nach meiner Erfahrung liegt es jenseits unserer Muster, jenseits unserer Anpassungen und jenseits dessen, was wir vermutlich die längste Zeit unseres Lebens über uns selbst gedacht haben. Im Grunde ist es etwas, das es täglich neu zu erschaffen gilt, obwohl es längst da ist und uns ständig umhüllt. Ihm Ausdruck zu verleihen in einer irdischen Form, das ist unsere Aufgabe auf der Erde.

Heute will ich einmal ganz spontan, quasi aus dem Bauch heraus den Zusammenhang zwischen Schönheit, Wahrheit und dem wahren Selbst beschreiben, so wie er sich mir heute darstellt und mit den Mitteln, die mir im Moment zur Verfügung stehen. Ihr mögt mir verzeihen, wenn es im Grunde nicht mehr als ein stümperhafter Versuch ist, mich dem Thema zu nähern.

Erst das Integrieren von Gegensätzen macht schön

Das wahre Selbst ist für mich eng mit einer Form von innerer Schönheit verbunden, vielleicht auch mit Reinheit, aber auf jeden Fall mit Klarheit und somit auch mit Wahrheit. Nichts ist hier verschleiert, nichts muss versteckt werden. Umgedreht hat auch Wahrheit für mich viel mit echter innerer Schönheit zu tun, aber auch mit einer Klarsicht, die bisweilen schmerzhaft daherkommt, sich jedenfalls nicht immer angenehm anfühlt. Mal wieder liegen zwei gegensätzliche Seiten eng beieinander.

Gerade das macht Wahrheit aus, sie lässt nicht zu, dass wir uns nur von unserer Schokoladenseite zeigen, sondern beleuchtet gnadenlos auch unsere Schattenanteile. Sie zu erkennen, gibt uns Wahlfreiheit. Schaffen wir es, sie zu integrieren, so macht uns das wahrhaft schön und bringt uns obendrein Frieden im Herzen. Und dann haben wir wirklich die Wahl, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten wollen.

Jeder, der schon einmal einer intimen Sitzung beiwohnen durfte, indem ein Mensch den Mut aufgebracht hat, auch seinen bisher verdrängten Schattenanteilen ins Gesicht zu schauen, sie willkommen zu heißen, auszuhalten und als einen Teil seines Selbst anzunehmen, weiß, wie viel entspannter und friedlicher ein solches Gesicht danach wirkt.

Sich den eigenen Schatten nicht zu verschließen, sondern ihnen mutig ins Gesicht zu sehen, setzt bisher festgehaltene Energie frei und ist obendrein das beste Mittel, um aus der Wertung auszusteigen. Wer einmal seine eigene Täterschaft anerkannt hat, kann auch anderen „Tätern“ gegenüber nachsichtiger sein. Ich muss die „Schuld“ dann nicht mehr bei anderen suchen, wenn ich im Erwachsenenalter mal wieder zum Opfer werde, sondern mache mich auf die Suche nach dem Moment, an dem ich ein eigenes Bedürfnis, ein Signal oder was auch immer übersehen habe.

Fehler machen gehört zum Geschäft, und sie gehören auch zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit. Nach meiner Erkenntnis geht nicht darum, sie unter allen Umständen zu vermeiden. Es geht vor allem um die Erfahrung und manchmal auch darum, daraus etwas zu lernen.

Wer Schuld zuweist, versucht meist nur, den eigenen Schmerz auf andere zu schieben. Der Schlüssel zu einem anderen Umgang mit Grenzüberschreitungen, liegt im Erkennen und Kommunizieren der eigenen Bedürfnisse und im Anerkennen der Bedürfnisse anderer. Vor allem geht es darum, offen und berührbar zu sein. Dahinzukommen ist ein lohnenswertes Ziel und für die meisten von uns eine große Herausforderung. Auch für mich.

Mal wieder gilt es, vor allem zuerst zu fühlen, … und dann auch mit dem Verstand neu zu gestalten. Gegensätze und scheinbar unüberwindliche Grenzen können so zu einer echten Bereicherung werden. Unser Leben wird dadurch vielschichtig und facettenreich.

Magische Schönheit wie im Kaleidoskop

Vielschichtig und facettenreich sind auch die Bilder im Kaleidoskop. Die möglichen Erscheinungen im Kaleidoskop sollen mir deshalb im Folgenden als Symbol dienen, um die Erscheinungsformen unseres Lebens bzw. die Möglichkeiten des Ausdrucks unseres wahren Selbst zu beschreiben.

Als Kind hatte ich selbst ein solches Kaleidoskop und ich habe es sehr geliebt. Eine bestimmte Anzahl bunter, glitzernder Steinchen waren darin, die immer, wenn ich das Ding geschüttelt hatte, ein neues Bild ergaben, das sich an den verspiegelten Seitenwänden des Kaleidoskops mannigfach gespiegelt hatte. Unglaublich viele schöne blumenhafte Ansichten zeigten sich mir, scheinbar unendlich viele. Und das, obwohl es doch immer die gleichen Steinchen waren.

Je nachdem, worauf ich meine Aufmerksamkeit richtete, und je nach Anordnung der glitzernden Steinchen, ergab sich immer wieder ein anderes Bild. Eine andere Wahrheit?

„Gott würfelt nicht“, soll Albert Einstein einmal gesagt haben. Aber manchmal, so scheint es, schüttelt er uns ganz schön durch. Und was dabei herauskommt, ist eins ums andere Mal eine prachtvolle Schönheit. Sie zu erkennen, das ist die Kunst im Leben.

Bei jedem Schütteln wird die bestehende Einheit auseinandergerissen, die Schönheit komplett zerstört. Kein Stein bleibt auf dem anderen. Für einen Moment lang (der uns manchmal auch ganz schön lange vorkommen kann) herrscht völliges Chaos. Doch dann, ganz plötzlich, legt sich der Sturm. Die Steinchen finden ihren neuen Platz und eine neue Schönheit stellt sich ein. Vielleicht sieht sie völlig anders aus als vorher. Vielleicht aber sind noch alte Muster zu erkennen. Komplexe Systeme reagieren im Allgemeinen immer auf ihre Vorgeschichte.

Die Kunst, schöne Formen zu sehen

Das Wort Kaleidoskop stammt aus dem Griechischen und bedeutet: schöne Formen sehen. Konkret lauten die drei Wörter: καλός (kalós) „schön“, εἴδος (eidos) „Form, Gestalt“ und σκοπεῖν (skopéin) „schauen, sehen, betrachten“ (Quelle: Wikipedia).

Den Blick vor allem auf das Schöne oder erstrebenswerte im Leben zu richten, kann eine lohnenswerte Strategie sein. Doch gelingt sie uns nicht immer. Und vor allem ist sie riskant, wenn sie dazu führt, dass ich vor den unangenehmen Themen einfach die Augen verschließe, anstatt mich ihnen mutig zu stellen. Auch Dinge, die ich vor den Augen der Anderen zu verbergen suche, wirken in die Welt hinein.

Dann macht es bisweilen Sinn, sich auch den bisher unangenehmen Themen zuzuwenden, sie als Herausforderung zu begreifen und daran zu wachsen.

Leben besteht aus Energie, Information und deren Wechselwirkung damit. Vor allem die Unterschiede und ihre Wechselwirkungen machen, dass alles immer in Bewegung ist und nichts bleibt, wie es ist. Ständig lösen sich Dinge und andere kommen zusammen. Die Art der Zusammenstellung macht das Bild.

 

Viele Facetten musst Du sehen, um das ganze Bild zu begreifen

Nun, ein Kaleidoskop habe ich heute leider nicht zur Hand, aber die moderne Technik erlaubt es mir, mit einfachen Mitteln (und erheblichem Zeitaufwand) aus meinen eigenen Bildern, Muster zu gestalten, die denen in einem Kaleidoskop recht nahekommen. In den Bildern dieses Blgartikels oben und unten zeige ich Euch ein Spiel mit Farben, Mustern und Formen in unterschiedlicher Kombination. Wer genau hinschaut, kann die Essenz des Ursprungsbildes bei allen noch erkennen. Es ist übrigens irgendwo auf meiner Website zu finden.

Die Grundidee dabei ist, die eigentliche Essenz, nämlich Ausschnitte des ursprünglichen Bildes, durch Spiegelung und Vervielfältigung in völlig neue Muster zu verwandeln. Die Essenz ist jedes Mal dieselbe, doch die Erscheinungsformen sind zahlreich. Nach jedem „Schütteln“ ist die Erscheinungsform eine andere. Genau wie im Leben: Vielschichtig und facettenreich. Das ist Schicksal und Chance zugleich.

Genau hinzuschauen, hinzufühlen, hinzuhören, vor allem nach innen, das sind die Mittel, um das wahre Selbst zu erkennen.

Benoît Mandelbrot, der uns den Schlüssel zur fraktalen Geometrie lieferte, hat einen passenden Gedanken dazu einmal so ausgedrückt:

„Denk nicht an das, was du siehst, sondern an das, was nötig war, um das Sichtbare zu produzieren.“

Die Wahrheit zu erkennen, ist somit genauso komplex und vielfältig wie das Leben selbst und immer auch abhängig, vom Auge des Betrachters und worauf er seinen Fokus legt.

Das wahre Selbst zeigt sich im Leben in den vielfältigsten Formen. Genau dafür ist es gemacht. Um der eigenen Essenz in irdischer Gestalt Form und Farbe zu verleihen.

Vor allem da, wo echte Schönheit sichtbar wird, zeigt sich, dass alle Teile sinnvoll integriert worden sind. Wahre Schönheit zeigt sich immer da, wo alles an seinem rechten Fleck ist.

 

Was ist deine Sicht auf das wahre Selbst? Mit welchem Bild würdest Du es am ehesten beschreiben?

Ich freue mich, wenn Du mir einen Kommentar dazu schreiben willst an as@astridschellenberger.com.

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Herzliche Grüße

Astrid