Ich fühle das, was Du nicht fühlst

Kennst Du das auch?
Du sitzt mit jemandem zusammen und auf der Oberfläche scheint alles klar, harmonisch und die Kommunikation wertschätzend zu sein. Und doch hast Du ein merkwürdiges Gefühl im Bauch. Irgendetwas scheint hier nicht zu stimmen.

Ich erinnere mich noch genau an den Tag, als mir eine solche Situation zum ersten Mal bewusst wurde. Ich saß mit einer Kollegin zusammen, um eine gemeinsame Aktion zu planen. Plötzlich unterbrach sie unsere Überlegungen jäh mit der Bemerkung:
„Ich spüre so sehr Deine Trauer, dass ich mich gar nicht auf unsere Aufgabe konzentrieren kann.“

Ich war ganz erschrocken, denn ich selbst fühlte mich klar und konzentriert. Aber als ich in mich hineinhorchte, nahm ich tatsächlich auch diese Trauer in mir wahr. Ich war gerade dabei, mich aus einer langjährigen Beziehung zu lösen, und natürlich brachte das eine Menge Trauer mit sich.

In den vielen Jahren meiner Berufstätigkeit in der Männerwelt hatte ich wohl zu gut gelernt, zu funktionieren und meine Gefühle gedeckelt zu halten. Mit der Zeit verlernte ich mehr und mehr auf meine Gefühle zu hören und sie angemessen zum Ausdruck zu bringen. Ich dachte, wenn ich meinen Gefühlen keine Beachtung schenken würde, wäre ich souverän. Im Grunde war ich sogar stolz darauf, denn ich dachte, ich hätte nun alles im Griff. Immerhin konnte mich im Alltag so schnell nichts mehr aus der Bahn werfen. Jedenfalls eine ganze Weile nicht.

Doch die Gefühle waren dennoch da und strahlten 24 Stunden am Tag aus mir heraus, offensichtlich so stark, dass andere feinfühlige Menschen sie spüren konnten. Und jetzt endlich durfte ich das begreifen.

Und dann passierte Erstaunliches

In den folgenden Tagen passierte Erstaunliches: Ich wandte mich mehr denn je mir selbst zu und meine Gefühle kamen an die Oberfläche – und zwar in Form eines Ausschlags. Wie bei einer Nesselsucht war mein Körper mit roten Pusteln überdeckt. Die betroffenen Körperstellen juckten heftig und zwangen mich förmlich, nun meine Aufmerksamkeit mir selbst zuzuwenden.
Der bisher unbemerkte innere Stress wurde äußerlich sichtbar. Endlich konnte ich ihn sehen. Nun musste ich mich damit befassen. Und ich tat es. Ich fühlte, was es da zu fühlen gab, bis ich die Botschaften dahinter erkennen konnte. Und dann lösten sich sowohl die Trauer als auch die Nesselsucht wieder auf und verschwanden.

Dieser Vorfall liegt schon viele Jahre zurück. Heute spüre ich meine eigenen Gefühle genauso gut wie die der Anderen und ich habe gelernt, sie nicht zu verwechseln. Eine große Klarheit bringt das mit sich, eine Befreiung und eine Gelassenheit, wie ich sie früher nicht in jeder Situation hatte.

Wir alle sind Raum für Gefühle

Wir alle sind ein Raum voller Gefühle, und heute bin ich diejenige, die andere manchmal fragt: „Ich spüre da gerade eine so große Trauer in mir. Könnte es sein, dass das Deine ist?“ Nicht selten sehe ich dann schon die Tränen aufsteigen und erkenne, dass jetzt wieder etwas an die Oberfläche kommen darf, was lange gedeckelt war.
Fühlen befreit. Durch Fühlen können wir uns von hinderlichen Energieblockaden befreien und blockierende Energien so transformieren, dass sie uns für wirklich Wesentliches zur Verfügung steht.

Wesentlich ist, was bedeutsam ist

Wesentlich ist das, was für mich bedeutsam ist.
Im Mitgefühl, erkennen wir, was für andere bedeutsam ist. Und wir können uns entscheiden sie ein Stückweit darin zu begleiten oder auch nicht. Das Eigene ganz vergessen sollten wir dabei nicht.
Wie sonst könnten Menschen aneinander wachsen, wenn nicht durch die Erkenntnis dessen, was in der eigenen Macht und Verantwortung liegt, und was nicht.
Und um noch einmal mehr den Religionsphilosophen Martin Buber zu zitieren:

„Der Mensch wird am Du zum Ich.“

Es geht also um eine lebendige Erfahrung, die wir im miteinander machen. Diese ist wichtig und wesentlich, weil wir soziale Wesen sind. Und wichtig ist auch, dass wir daraus etwas lernen, Erkenntnisse ziehen.
Bücher lesen alleine reicht da nicht. Das erkannte auch Lama Anagarika Govinda, ein deutscher Interpret des Buddhismus. In seinem Buch „Dynamik des Geistes“ schreibt er:

„Abstrakte Wahrheit ist wie Büchsennahrung ohne Vitamine, die unseren Geschmack zwar befriedigt und auch den Körper für eine Weile aufrechterhält, von der wir aber nicht auf Dauer leben können.“

Auf Dauer brauchen wir den Austausch von Liebe und echte menschliche Begegnungen, damit wir aus Wissen oder Unwissen wertvolle Erfahrungen und eigene Erkenntnisse machen können.

♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Hast Du Dich schon für den Newsletter eingetragen? Du verpasst dann keinen Blogartikel mehr und kannst Dir obendrein auf der Dankesseite ein kleines E-Book mit wertvollen Erkenntnissen über die Anwendung der spirituellen Gesetze in Deinem Leben abholen.

Einzigartige Menschen gehen einzigartige Wege. Die spirituellen Gesetze helfen uns dabei.

Und mein Seminar „Wieder fühlen lernen“ vom

22. 2. – 24. 2. 2019 in Heiligenberg auch.

Wie immer freue ich mich auf Deine Kommentare und Anregungen an as@astridschellenberger.com

 

Herzliche Grüße,
Deine Astrid